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Workaholic: Arbeitssucht erkennen – Symptome und bewährte Strategien zur Bewältigung

Der Begriff Workaholic wird oft spielerisch verwendet, doch Arbeitssucht ist ein ernstzunehmendes Problem. Als erfahrener Psychotherapeut und Suchtexperte erkläre ich, wie Sie Symptome erkennen und erste Hilfen einsetzen.

Workaholic: Wenn Arbeit zur Sucht wird

In unserer leistungsorientierten Gesellschaft gilt Arbeit als Garant für Sicherheit, Struktur und Teilhabe. Doch diese positive Wertschätzung kann in eine pathologische Abhängigkeit umschlagen. Workaholics leiten ihren Selbstwert maßgeblich aus der beruflichen Leistung ab und nutzen Arbeit häufig, um unangenehme Gefühle zu verdrängen.

Bei Betroffenen fehlt ein gesunder Ausgleich zwischen Beruf und Privatleben. Die Balance kippt, und Arbeit dominiert das gesamte Dasein.

Anzeichen von Arbeitssucht – Selbsttest

Fühlen Sie sich selbst betroffen oder beobachten Sie dies bei einem Nahestehenden? Pathologische Arbeitssucht zeigt sich in typischen Mustern. Prüfen Sie folgende Fragen:

  • Leisten Sie regelmäßig, vielleicht sogar freiwillig, Überstunden?
  • Erledigen Sie Bürotasks in der Freizeit, z. B. am Wochenende?
  • Nehmen Sie Arbeit mit nach Hause?
  • Sagen Ihnen Freunde oder Familie, Sie würden zu viel arbeiten?
  • Grübeln Sie auch privat über berufliche Themen und können nicht abschalten?
  • Planen Sie heimlich mehr Zeit für Arbeit freizumachen?
  • Fühlen Sie sich gestresst oder unruhig, wenn Sie nicht arbeiten können?
  • Lindert Arbeit Ihre inneren Konflikte?
  • Leiden Beziehungen unter Ihrem Arbeitsfokus – sagen Sie Termine ab?

Mehrere "Ja"-Antworten deuten auf ein Risiko hin. Entscheidend ist nicht die reine Arbeitszeit, sondern die emotionale Abhängigkeit, wie Cecile Schou Andreassen von der Universität Bergen betont.

Arbeitssucht ist medizinisch noch keine eigenständige Diagnose, doch vergleichbar mit Spiel- oder Alkoholsucht. Häufige Folgen sind Depressionen und Angststörungen, wie Facharzt Michael Tischinger von der Adula-Klinik in Oberstdorf in der ZEIT erläutert.

Strategien gegen Arbeitssucht: Vom Präventiven zum Professionellen

Arbeit bleibt essenziell für unser Wohlbefinden – vollständiger Verzicht ist unrealistisch. Stattdessen geht es um einen gesunden Umgang. Präventive Maßnahmen helfen frühzeitig:

  • Nehmen Sie Arbeit nur ausnahmsweise mit nach Hause.
  • Priorisieren Sie Aufgaben schrittweise, vermeiden Sie Multitasking.
  • Nutzen Sie ein separates Arbeitshandy, das Sie nach Feierabend ausschalten.
  • Lernen Sie, "Nein" zu sagen.
  • Verzeihen Sie sich Fehler, statt sich mit Mehrarbeit zu strafen.
  • Planen Sie regelmäßig Urlaub und freie Tage.
  • Gehen Sie pünktlich nach Hause, auch bei offenen Tasks.
  • Erstellen Sie To-do-Listen, die am Schreibtisch bleiben.
  • Delegieren Sie bei Kollegen und tauschen Sie sich aus.
  • Integrieren Sie Yoga oder Meditation in festen Rhythmus.
  • Treiben Sie Sport oder verbringen Sie Zeit in der Natur.

Bei fortgeschrittener Sucht empfehle ich professionelle Unterstützung: Spezialisierte Psychotherapeuten, Psychiater oder Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Arbeitssüchtigen. Chefarzt Michael Tischinger rät dazu im ZEIT-Interview. Kosten übernimmt oft die Krankenkasse – lassen Sie sich beraten.

Workaholics im Umfeld: Tipps für Angehörige

Betroffene belasten oft ihr Umfeld, ohne es zu merken. Sprechen Sie offen an, ohne aufzugeben. Bleiben Sie standhaft bei eigenen Plänen, z. B. fahren Sie bei Absagen allein in den Urlaub. Wiederholen Sie Vorschläge für Therapie oder Gruppen sanft, aber bestimmt. Nützliche Infos finden Sie auf der Website der Anonymen Arbeitssüchtigen.