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Social Entrepreneurship: Das steckt hinter dem sozialen Unternehmertum

Social Entrepreneurship setzt sich für die Lösung gesellschaftlicher und ökologischer Probleme ein. Was dahintersteckt, welche Schwierigkeiten dabei auftreten und welche Beispiele es gibt, liest du hier.

Das Prinzip des Social Entrepreneurship, übersetzt soziales Unternehmertum, ist kein neues Phänomen. Bereits im Jahr 1983 gründete Mohammed Yunus eine Bank in Bangladesch, die es auch Menschen mit wenig finanzieller Sicherheit ermöglichte, Kredite aufzunehmen. Seitdem gilt Yunus als Vorreiter in Sachen Social Entrepreneurship. 2006 erhielt er den Friedensnobelpreis für sein Unternehmen. 

Was Social Entrepreneurship ausmacht, worum es dabei geht und welche Kritik daran geübt wird, erfährst du in den folgenden Abschnitten.

Social Entrepreneurship: Keine einheitliche Definition

Wer den Begriff Social Entrepreneurship in eine Suchmaschine eingibt, erzielt unzählige Treffer – darunter sowohl praxisorientierte als auch wissenschaftliche Beiträge. Doch obwohl der Begriff in aller Munde ist, gibt es bisher noch keine allgemeingültige Definition für das Konzept. Stattdessen kursieren verschiedene Definitionen, die unterschiedlich umfassend sind und teilweise unterschiedliche Sachverhalte in den Fokus stellen.

Grundsätzlich geht es aber immer darum, dass die Gewinnorientierung bei sozialem Unternehmertum in den Hintergrund tritt. Stattdessen streben soziale Unternehmer laut dem Gabler Wirtschaftslexikon „unternehmerisches Denken und Handeln zum Wohle der Gesellschaft und zur Lösung oder Verbesserung gesellschaftlicher Missstände“ an. Der Erfolg solcher Unternehmen wird am sozialen Nutzen gemessen, nicht am finanziellen Erfolg. Soziales Unternehmertum zielt auf die Lösung sozialer und auch ökologischer Probleme ab, sowohl auf lokaler, nationaler als auch globaler Ebene.

Soziales Unternehmertum: Rechtliches

Grundsätzlich unterscheidet sich die Gründung eines Sozialunternehmens nicht allzu stark von der eines gewinnorientierten Unternehmens. Egal, welche Art von Unternehmen gegründet werden soll – die Unternehmer*innen sollten sich vorher immer Gedanken darüber machen, welche Rechtsform am besten geeignet ist.

Für die Gründung eines Sozialunternehmens gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • e. V.: Eingetragene Vereine zielen nicht auf Gewinn, sondern auf die Erfüllung einer sozialen Mission ab. Für eine Gründung braucht es mindestens sieben Mitglieder, außerdem muss ein Vorstand gebildet werden.
  • gGmbH, gUG und gAG: Die genannten Rechtsformen zielen ebenfalls nicht auf Gewinn, sondern eine soziale Mission ab. Die Gründung kann von einer oder mehreren Personen erfolgen. Die Haftung ist beschränkt. Der Geschäftszweck muss gemeinnützig, mildtätig oder kirchlich sein. Gewinne werden nicht ausgeschüttet, sondern wieder investiert.
  • UG, GmbH und AG: Unternehmergesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung und Aktiengesellschaften verfolgen eine soziale oder gewerbliche Mission. Die Gründung kann ebenfalls allein oder im Team erfolgen. Die Haftung ist beschränkt.

Tipp: Die gemeinnützigen Rechtsformen gUG, gGmbH und gAG bringen sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Vorteile sind zum Beispiel steuerliche Begünstigungen sowie die Option, Spendengelder einzusammeln. Allerdings muss das Finanzamt die Gemeinnützigkeit der Unternehmung alle drei Jahre neu anerkennen.

Beispiele für Social Entrepreneurship

Damit du dir etwas mehr unter dem Begriff Social Entrepreneurship vorstellen kannst, möchten wir dir fünf Unternehmen vorstellen, die das Ganze umgesetzt haben:

  1. Serlo: Mit Serlo gründete Simon Köhl eine kostenlose Lernplattform für Schüler*innen, mit der er ihnen Zugang zu freiem Lernmaterial ermöglicht. Material gibt es zu verschiedenen Fächern wie zum Beispiel Mathematik, Biologie, Chemie und Informatik.
  2. Foodloop: Die App Foodloop von Christoph Müller-Dechent informiert Verbraucher*innen über reduzierte Lebensmittel, die kurz vor Ende ihres Mindesthaltbarkeitsdatums sind und bald vom Supermarkt weggeschmissen werden. Mit der App können Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet und Lebensmittelabfälle reduziert werden.
  3. Ecosia: Die grüne Suchmaschine Ecosia pflanzt mit ihren Einnahmen Bäume. Alle Infos zu Ecosia findest du hier: Ecosia: Wie funktioniert eigentlich die nachhaltige Google-Alternative?
  4. Einhorn: Waldemar Zeiler bietet mit seinem Unternehmen Einhorn vegane und nachhaltige Kondome sowie Menstruationsprodukte an. 50 Prozent der Gewinne investiert das Unternehmen in soziale und nachhaltige Projekte.
  5. Viva con agua: Viva con agua ist eine Non-Profit-Organisation, die sich als Hauptziel die Verbesserung der Wasserversorgung in Entwicklungsländern gesteckt hat. Dazu werden die Einnahmen zweier Firmen genutzt, die die Organisation gegründet hat – der Verkauf von Mineralwasser unter der Marke Viva con agua sowie die Vermietung von ökologischen Sanitäranlagen (z. B. für Festivals) unter dem Label Goldeimer.

Social Entrepreneurship: Kritik und Schwierigkeiten

Auch wenn das Ganze erst einmal sehr positiv klingt, hat auch das Phänomen Social Entrepreneurship mit Schwierigkeiten und Kritik zu kämpfen.

  • Teilweise besteht die Auffassung, dass es nicht möglich ist, aus Überzeugung Gutes zu tun und gleichzeitig Gewinne zu erwirtschaften. Manche sind der Meinung, dass Menschen, die wirklich etwas für die Gesellschaft oder die Umwelt tun wollen, sich lieber in bestehenden Organisationen engagieren sollen. Beispielhaft zu nennen ist hier Jan Böhmermann, der sich auf seinem Twitter-Account bereits mehrfach gegen soziale Unternehmer ausgesprochen hat.
  • Weiterhin ist es für soziale Startups schwierig, eine Balance zwischen dem Nutzen für die Gesellschaft, für die eigenen Mitarbeiter*innen sowie für die Unternehmer*innen selbst zu finden: Sollen die Gehälter der Belegschaft erhöht werden oder sollen stattdessen noch ein paar mehr Güter gespendet werden? Soll in neue Möbel für das Büro des Unternehmens investiert werden oder soll das Geld auf direktem Weg in ein soziales Projekt fließen? Solche Fragen müssen sich normale Unternehmen nicht oder zumindest sehr viel seltener als Social Entrepreneurships stellen.
  • Für soziale Startups ist es sehr viel schwieriger, Investoren und Kapitalgeber für sich zu gewinnen. Viele solcher Unternehmen entsprechen nicht den gängigen Förderkriterien, weshalb sich Geldgeber häufig zurückhalten.
  • Ein weiteres Problem ist das der Gehälter und damit einhergehend guten Personals. Soziale Startups und Unternehmen haben häufig sehr viel weniger Geld zur Verfügung als gewinnorientierte Unternehmen. Sie können deshalb oft nicht die in den jeweiligen Branchen üblichen Gehälter zahlen. Das macht es schwer, wirklich gute Mitarbeiter*innen ins Team zu holen. 

Selbst Social Entrepreneur werden

Wenn du dich selbst für soziales Unternehmertum interessierst, hast du einen ähnlichen Weg vor dir wie Gründer*innen von gewinnorientierten Unternehmen.

  • Zuerst benötigst du natürlich eine gute Idee, die du umsetzen möchtest. Wenn du diese gefunden hast, musst du sie zu einem Geschäftsmodell weiterentwickeln. Dies kann mit Rückschlägen und Ungewissheit verbunden sein. Leidenschaft und Durchhaltevermögen sind hierbei unbedingt notwendig.
  • Wenn du der Meinung bist, ein überzeugendes Geschäftsmodell entwickelt zu haben, gibt es einige Anlaufstellen für dich. Vernetzung und Information sind jetzt wichtig. In deutschen Städten gibt es verschiedene Social Impact Labs und Impact Hubs, an die du dich für Unterstützung wenden kannst. Außerdem gibt es die Impact Factory und die Social Entrepreneurship Akademie. Das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e. V. hat seinen Sitz in Berlin. International betrachtet ist die Organisation Ashoka relevant.
  • Weiterhin gibt es einige große Kongresse in der Social-Entrepreneurship-Szene. Beispiele sind der Social Impact Summit, der Ecosummit oder der Vision Summit.