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Verantwortungseigentum: Die innovative Unternehmensform – Vorteile, Kritik und Praxisbeispiele

Verantwortungseigentum ist eine moderne Form des Unternehmertums, die Unternehmen mehr strategischen Spielraum verschafft, aber auch klare Herausforderungen birgt.

Diese Eigentümerstruktur dient als Alternative zu klassischen Modellen. Basierend auf langjährigen Beobachtungen und Studien der Stiftung Verantwortungseigentum zeichnen sich folgende Merkmale aus:

  • Sie arbeiten primär für Mitarbeiter:innen und Kund:innen – nicht ausschließlich für Gewinnmaximierung.
  • Dies schützt vor Spekulationen und Fragmentierung.
  • Gewinne werden im Unternehmen reinvestiert, zugunsten der Belegschaft oder gemeinnütziger Stiftungen.
  • Entscheidungsträger:innen sind immer aktiv im Unternehmen oder haben eine enge Verbindung dazu – keine externen Investoren.
  • Das fördert nachweislich höhere soziale Verantwortung.

Solche Unternehmen etablieren Unabhängigkeit und verankern Werte dauerhaft. Sie befolgen zwei Kernprinzipien:

  1. Selbstbestimmung: Stimmrechtsmehrheit bleibt bei aktiven Unternehmer:innen. Sie kann nicht an Investoren verkauft, sondern nur treuhänderisch übertragen werden.
  2. Vermögensbindung: Gewinne dienen als Mittel zum Zweck, nicht als Selbstzweck.

"Purpose" im Verantwortungseigentum

Unternehmen im Verantwortungseigentum verfolgen einen klaren "Purpose" – auf Deutsch "Sinn". Sie dienen einem höheren Zweck und sehen Gewinne als Mittel dazu. Im Gegensatz zu traditionellen Firmen, die primär Wertsteigerung anstreben.

Der Purpose variiert: Von nachhaltiger Forstwirtschaft über soziale Gerechtigkeit bis hin zu hochwertigen Produkten – die Bandbreite ist groß.

Auswirkungen auf Unternehmen

Praktische Erfahrungen zeigen: Firmen im Verantwortungseigentum sind nachhaltig erfolgreich und übertreffen oft gewinnorientierte Konkurrenz:

  • Langfristig höhere Gewinnmargen,
  • größere Resilienz gegenüber Krisen,
  • höhere Löhne und Zusatzleistungen,
  • stärkere Mitarbeiterbindung und
  • 40 Prozent niedrigere Führungskräftefluktuation.

Kritik am Verantwortungseigentum

Die Stiftung Verantwortungseigentum adressiert gängige Kritikpunkte:

  • Der Name wirkt irreführend, da Eigentümer nicht immer direkt verantwortlich sind.
  • Mögliche Steuerlücken: Niedrigerer Steuersatz (15 statt 19 Prozent Körperschaftsteuer), Erbschaftssteuerumgehung durch fehlende Regelungen.
  • Ungelöste Fragen zu Finanzierung, verdeckten Ausschüttungen, Haftung und Aufsicht.

Laut heise.de fordern Experten eine VE-GmbH. Kritiker bemängeln:

  • Steuerbevorzugung und Umgehung von "Asset-Locks".
  • Mängel in Governance und Finanzierung.
  • Rechtssystematische Bedenken, fehlender Bedarf.
  • Die Stiftung Familienunternehmen plädiert für entbürokratisierte Stiftungsregeln statt neuer Formen, um unbeaufsichtigte Quasi-Stiftungen zu vermeiden.
  • Klein- und Mittelständler scheitern oft am Stiftungsaufwand – Grund für die Gründung der Stiftung Verantwortungseigentum 2019, um Vernetzung und Stärkung zu fördern.

Verbreitung in Deutschland und international

Verantwortungseigentum ist keine Neuheit. In Deutschland agieren rund 200 Unternehmen darnach (ca. 1,2 Millionen Mitarbeiter:innen, 270 Milliarden Euro Umsatz). Beispiele:

  • Bosch
  • Zeiss
  • Mahle
  • Alnatura
  • Ecosia

International: Mozilla (USA, freies Internet) oder 1000 Firmen in Dänemark. Das Purpose Economy-Team treibt die globale Verbreitung voran.