Aktuelle Daten des US Census Bureau zeigen anhaltende Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in nahezu allen Branchen – mit Ausnahme von Pflege- und Dienstleistungsberufen. Frauen verdienen durchschnittlich nur 82 Cent für jeden Dollar, den ein Mann einnimmt.
Die größte Lücke klafft im Finanzdienstleistungssektor, der von Beratern, Maklern und Wertpapieranalysten an der Wall Street geprägt wird. Warum hinken Frauen trotz Rekordzahlen an Absolventinnen von Finanzstudiengängen bei den Gehältern ihren männlichen Kollegen so weit hinterher?
Schlüsselmitnahmen
- In den meisten Branchen bestehen nach wie vor deutliche Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern.
- Das größte Lohngefälle zeigt sich im Finanzdienstleistungssektor.
- Zu den Hauptursachen zählen verbliebene Ungleichheiten, das Arbeitsklima auf der Wall Street, Bedingungen, Familie und Kinder sowie die Finanzkrise 2007/2008.
- Die Branche muss frauenfördernde Maßnahmen umsetzen, um das Gefälle zu schließen.
Verbliebene Ungleichheiten
Wie in vielen männerdominierten Branchen braucht es Zeit, bis Frauen in Führungspositionen aufsteigen. Viele Wall-Street-CEOs stammen aus Zeiten, in denen Frauen in der Finanzbranche rar waren. Mit mehr jungen Frauen in Einstiegspositionen wird sich diese Ungleichheit langfristig auflösen.
Das Klima in Wall-Street-Firmen
Der Film Wall Street aus dem Jahr 1987 mag fiktiv sein, doch er spiegelt das reale Innenleben der Branche wider: Stripclubs, Golfplatz-Deals und exzessive Partys. Solche Networking-Gelegenheiten sind für Frauen oft unzugänglich, was ihren Aufstieg bremst. Census-Daten belegen: Frauen verlassen den Sektor schneller, als sie dazukommen – und damit stagniert ihr Lohnpotenzial.
Arbeitsbedingungen
Der Finanzsektor lebt von Stress, langen Stunden und Flexibilität – das legendäre Dreier-Martini-Mittagessen oder Nachtschichten inklusive. Frauen, die oft primäre Familienverantwortliche sind, können hier selten mithalten. Wer 70 Stunden pro Woche leistet, verdient mehr als jemand mit begrenzter Verfügbarkeit. Zudem mehren sich Berichte über Diskriminierung und Belästigung, die Frauen vertreiben.
Geburt und Kinderbetreuung
Eng verknüpf mit den Arbeitsbedingungen: Schwangerschaft und Mutterschaft. Mutterschaftsurlaub bedeutet weniger Praxiserfahrung und langsameren Lohnanstieg. Dasselbe gilt für Pflegezeiten für kranke Kinder oder Eltern.
Die Finanzkrise
Ab 2008 entließen Wall-Street-Firmen massiv, um der Rezession Herr zu werden – und trafen Frauen härter als Männer. Obwohl die Erholung Frauen zurückführt, fehlen spürbare Verbesserungen.
Das Fazit
Der Finanzsektor hinkt bei Lohngerechtigkeit hinterher, Veränderungen sind nicht absehbar. Nur frauenfreundlichere Standards – bessere Mentoring-Programme, faire Beförderungen, flexible Elternzeiten – schaffen Fortschritt. Finanzfirmen müssen handeln, um Talente zu halten und Gerechtigkeit zu wahren.