Das Café von Lisa Bawden in Kingston, Südost-Australien, stand zum Verkauf, als ihre 14-jährige Tochter Reegan unerwartet großes Interesse zeigte, dort zu arbeiten.
Ursprünglich planten sie, das Geschäft zu verkaufen und nach Adelaide zu ziehen, damit Reegan die Schule abschließen konnte.
Die Entscheidung, die regionale Kleinstadt zu verlassen, war pragmatisch: „Reegan spielt gerne Netball hier, aber abgesehen davon gibt es kaum Beschäftigungsmöglichkeiten“, erklärt Lisa Bawden, Mutter mit jahrelanger Erfahrung in der Unternehmensführung und Unterstützung behinderter Kinder.
Lisa beschreibt Reegan als fröhliche, soziale 14-Jährige – das Gegenteil des Autismus-Stereotyps. Reegan lebt mit Autismus, geistiger Behinderung und Zerebralparese.

Als Reegan Interesse am Café zeigte, war Lisa zunächst schützend: „Ich wusste, sie könnte es schaffen, wollte sie aber nicht überfordern.“ Doch Reegan blühte sofort auf und genoss den Umgang mit Kunden und Kollegen.

„Jedes bisschen Verantwortung ließ sie strahlen. Es war ein natürliches Wachstum, das sie liebt“, berichtet Lisa.
Beim Anblick von Reegans Fortschritt nahm Lisa das Café im Februar 2022 vom Markt: „Warum verkaufen, wenn sie es so liebt und sogar nach der Schule dort weitermachen möchte? Wenn ich das für meine Tochter kann, dann auch für andere in unserer Gemeinde.“
Fokus auf Inklusion
Mit einem kleinen Team beschäftigt Lisa nun drei junge Menschen mit geistiger Behinderung aus der Region.
„Als Elternteil weiß ich, wie tief berührend es ist, geliebten Menschen solche Chancen zu geben“, sagt sie.

„Große Anpassungen sind unnötig – es geht um einfache Erleichterungen. Klare Kommunikation ist entscheidend: Ich rede oft zu viel, also muss es prägnant sein.“

„Visuelle Hilfen wirken Wunder, da Lesen eine Herausforderung sein kann. Am wichtigsten: Wertschätzung zeigen und betonen, dass ihre Arbeit zählt.“
Das spürt 18-jährige Jade, Reegans Kollegin und Freundin: „Kunden bedienen, Smoothies mixen, kochen – ich dachte, es würde mir nicht gefallen, aber es ist mir ans Herz gewachsen. Ich habe sogar Sparen gelernt.“
Die Arbeit holt sie aus ihrem Schneckenhaus: „Ich kann mich nicht mehr in Kingston verstecken“, lacht sie.

„Bei allen sehe ich enormes Wachstum: Von schüchtern zu selbstbewusst, sie äußern nun Ideen und Bedürfnisse“, freut sich Lisa. „Das ist empowernd.“

Die Einstellungspraxis bereichert auch Kunden: „Mit Kaffee und Kuchen sensibilisieren wir – langsamer Tempo schafft Erfolg für alle und eine besondere Atmosphäre.“
Zukunftsperspektiven
Lisa fordert mehr Arbeitgeber auf: „Überwindet die Angst vor Behinderung. Seid offen für neue Erfahrungen und macht es einfach, mit euch zu arbeiten.“
Sie erwartet kein Dauerpersonal: „Wir wachsen, bieten sichere Lernorte – hoffentlich für Vollzeitjobs danach. Interesse an Administration? Wir vermitteln Praktika.“

Im Juli 2022 gründete Lisa zusätzlich eine Unterstützungseinrichtung für Behinderte in Kingston. „Ich plane immer weiter.“