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Revolutionäre Lesehilfen auf Geräten: Meine Erfahrungen als Betroffene mit MS, Legasthenie und Autismus

Revolutionäre Lesehilfen auf Geräten: Meine Erfahrungen als Betroffene mit MS, Legasthenie und Autismus

Seit sechs Jahren lebe ich mit einer komplexen Form der Multiplen Sklerose. Lange habe ich mich nicht als behindert gesehen – bis ich einen Rollstuhl brauchte. Doch Behinderungen begleiten mich schon länger. Erst letztes Jahr, mit der Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung, erkannte ich die Zusammenhänge und lernte, gezielt dagegen anzugehen.

Schon seit der späten Grundschule kämpfe ich mit komplexen Texten. Seit meinem 12. Lebensjahr habe ich kein gedrucktes Buch mehr zu Ende gelesen, obwohl Lesen mir Spaß macht. Oft lese ich dieselbe Seite dreimal bis fünfmal, um alles zu verstehen.

Während meines Studiums überflog ich Texte und markierte Gelesenes immer in Pink – nie Gelb oder Grün. Ich wusste nicht, dass ich an Legasthenie litt und dies ein Hilfsmittel war. Farbige Überlagerungen helfen vielen Betroffenen tatsächlich beim Lesen.

Revolutionäre Lesehilfen auf Geräten: Meine Erfahrungen als Betroffene mit MS, Legasthenie und Autismus

Ich glänzte bei mündlichen Präsentationen und Aufsätzen, wo ich Zeit zum Verarbeiten hatte, scheiterte aber oft an Prüfungen. Unerkannte Lernschwierigkeiten brachten mich mehrmals ans Abbrechen der Uni.

Erst beim Schreiben meines eigenen Buches letzten Jahres wurde mir das volle Ausmaß bewusst. In meiner 10-jährigen Karriere als Grafikdesigner umging ich große Textmengen; beim Rückkehr zum Schreiben traf es mich wieder.

Durch die MS plagt mich zudem Doppeltsehen: Es fühlt sich an wie eine Kamera, die rastlos fokussiert. Meine Augen kämpfen, um zwei Bilder zu einem Wort zu machen – Lesen wird zur Qual.

Die Kombination aus Doppeltsehen und Legasthenie verursacht massive visuelle Belastung. Als Betroffene suche ich ständig nach Technologien, die Lesen und Schreiben erleichtern.

Audiolösungen wie Hörbücher oder Screenreader sind Gold wert, reduzieren Stress enorm. Doch ich bevorzuge traditionelles Lesen, wo möglich. Idealerweise wären Texte so zugänglich wie für Nichtbetroffene.

Apps wie Bionic Reading, Safaris Lesefunktion oder das ReMarkable-Tablet (das Papier nachahmt) machen Digitales lesbarer. Am besten: Anpassbare Formatierung, Hintergrundfarben und Stile – bewährte Hilfen bei Legasthenie.

Graustufen statt Schwarz-Weiß mindern Augenbelastung spürbar. Meine Lesegeschwindigkeit stieg so um geschätzte 50 %.

Integrierte Hilfen in Geräten sind begrenzt; oft muss ich Text kopieren. Wie farbige Folien beim Drucklesen revolutionierten Anpassungen auf Bildschirmen das Leben vieler Behinderten.

Brooke Mott ist Schriftstellerin und ausstellende Künstlerin in Meanjin/Brisbane. Behinderung und LGBTQIA+-Aktivismus prägen ihre Arbeit.