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Scheidung als Luxusgut? Wie die Wirtschaftskrise Paare zum Zusammenleben zwingt

Vor neun Monaten entschied sich Rachel Gund (Namen teilweise geändert), 44, zur Scheidung von ihrem nach fast 20 Ehejahren entfremdeten Mann. Doch neun Monate später hausen sie mit ihren beiden Teenagertöchtern immer noch unter einem Dach: Keiner kann es sich leisten auszuziehen. Sie leben wie Mitbewohner, teilen die Wohnung und die Ausgaben.

Klingt absurd? Weit gefehlt, bestätigen Familienanwälte und Therapeuten. Aufgrund der Wirtschaftskrise verschieben immer mehr Paare Scheidungsanträge und physische Trennungen. Häuser lassen sich im schwachen Immobilienmarkt oft nicht verkaufen, Jobs gehen verloren, und gemeinsame Schuldenberge müssen erst abgearbeitet werden.

"Das Zusammenleben hat zugenommen, weil niemand es sich leisten kann auszuziehen oder sich aus dem Haus freizukaufen", erklärt Kathryn Dickerson, Partnerin bei Smolen Plevy in Vienna, Virginia. "Früher war eine Hypothekenrefinanzierung einfacher – heute nicht mehr." Manche Häuser stehen "unter Wasser" (Wert unter Hypothek), ohne teilbares Eigenkapital. "Die Kernfrage: Wer übernimmt welche Schulden?", fügt Dickerson hinzu.

Gund und ihr Mann schlossen im März 2008 eine rechtliche Trennungsvereinbarung ab und wohnen weiter zusammen. Sie regelt Anteile an Lebenshaltungs- und Kinderbetreuungskosten. Das Paar verpflichtete sich zudem, keine Dates nach Hause zu bringen. In New York wird diese Vereinbarung automatisch zur Scheidung – Gund plant die Scheidung für März 2009 und will das Haus davor verkaufen.

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Yael Lazar, Anwältin aus Long Island, schloss kürzlich mehr Trennungsvereinbarungen ab – Kosten: ca. 2.000 US-Dollar. "Scheidung ist in dieser Wirtschaft ein Luxus. Manche Klienten brachen den Prozess ab, weil getrenntes Leben zu teuer wurde."

Lazar nennt den Fall eines Paares mit Kindern, seit über 20 Jahren verheiratet. Sie lebten getrennt unter einem Dach, gaben Tausende an Anwälten aus. Der Ehemann (6.000 Dollar Monatsgehalt) hätte 4.000 Dollar für Unterhalt zahlen müssen. "Er versöhnte sich, bis die Kinder 18 sind." Ein anderer Klient hauste acht Monate im Firmenserverraum, statt bei der Frau zu bleiben.

"Viele bleiben unglücklich verheiratet wegen der Krise", sagt Stacy Schneider, Anwältin und Autorin von He Had It Coming: How to Outsmart Your Husband and Win Your Divorce (Simon & Schuster, 2008). "Die Immobilienkrise blockiert: Das Haus ist das größte Gut, ohne Finanzierung für getrennte Haushalte." Sie erzählt von New Yorkern, die eine Mauer im Wohnzimmer zogen und ein Jahr lang getrennt lebten.

Rhonda Mitchell, 41, Friseurin aus Dallas, kann sich keinen Anwalt leisten. Sie wohnt mit Mann und 7-jährigem Sohn in der Mietwohnung. "Es ist furchtbar, wir teilen seit Monaten kein Bett mehr." Sie sucht Hilfe bei Non-Profits und Mediation, spart für die Scheidung. Keiner hat Krankenversicherung.

Dickerson beobachtet Altersunterschiede: Frauen, früh verheiratet (18/19), bleiben oft trotz Affären oder Missbrauch – ohne Job, aus Angst vor Abstieg und Verlust der Versicherung. "30- bis 40-Jährige sind finanziell fit und kompromissbereit."

Candace Holly, 26, Kommunikationsmanagerin in Illinois, ist seit über zwei Jahren getrennt. "Ich kann es mir nicht leisten: Partner aufspüren, Anwalt, Gerichtspapiere – zu teuer." Es begann mit verbalem/emotionalem Missbrauch, eskalierte physisch. Sie jobbt prekär, ohne Versicherung.

Therapeutin Marilyn Barnicke Belleghem (American Association of Marriage and Family Therapy) klärt: "Scheidung brauchen Sie nur zum Wiederverheiraten. Trennungsvereinbarungen regeln Vermögen, Zahlungen, Eigenkapital." Prüfen Sie Landesrecht. Sie erstellt Konkubinatsverträge als Basis. "Gute Beziehungen entstehen aus guten Deals – Paare entscheiden selbst."

Solche Verträge umfassen Finanzverantwortung, Trennungsdatum, Assets/Schulden, Haushaltsregeln, Sorgerecht, Unterhalt – sogar Dating-Regeln.

Bei Gund fühlt sich das Zusammenleben "wie eine Achterbahn an – manche Tage besser als andere".

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