Der Begriff „Work-Life-Balance“ ist irreführend. Er suggeriert, es gehe nur um Zeitaufteilung zwischen Büro und Zuhause, um stumme Slack-Benachrichtigungen nach Feierabend oder das Handy vor der Haustür abzulegen.
Dabei geht es um viel mehr: Jennifer Petriglieri, außerordentliche Professorin für Organisationsverhalten am INSEAD (Europäisches Institut für Betriebswirtschaft), betont, dass Karriere und Privatleben kein simples Gleichgewicht sind.
Vor fünf Jahren fiel ihr auf, dass die meisten Karrierestudien Paare ignorieren – obwohl die Mehrheit der Familien Doppelverdiener mit Kindern sind. In ihrem Buch Couples That Work: How Dual-Career Couples Can Thrive In Love And Work analysiert sie, wie berufliche Veränderungen Beziehungen, Ehen und Erziehung beeinflussen.
Durch Interviews mit 100 Paaren weltweit – aus allen Karrierephasen, Altersgruppen, sozioökonomischen Hintergründen und Geschlechtern – fand sie universelle Muster: Alle Paare meistern dieselben Herausforderungen auf ähnliche Weise.
Fatherly sprach mit Petriglieri über die drei großen Übergangsphasen für Doppelverdienerpaare – und wie man sie mit minimalem Konflikt übersteht.
Trotz Ihrer umfassenden Forschung mit 100 Paaren aus aller Welt: Kämpfen alle Dual-Career-Paare mit denselben Work-Life-Balance-Fragen?
Alle Paare durchlaufen drei vorhersehbare Übergänge im Berufsleben. Die Probleme sind individuell, doch die Phasen sind universell und hängen von grundlegenden Dynamiken ab: Wer führt? Wer folgt? Wie geht man mit Neid um? Diese Fragen gelten für jedes Paar, unabhängig vom Hintergrund.
Welche Phasen sind das?
Die erste tritt früh in der Beziehung auf. Am Anfang laufen Leben parallel: Karriere, Freunde, Familie – plus die neue Liebe. Doch ein Ereignis zwingt zur Verschmelzung, z. B. ein Jobangebot am anderen Ende der Welt oder die Geburt des ersten Kindes. Plötzlich sind Abhängigkeiten da: Folgen Sie? Wie integrieren Sie Familien? Prioritäten und Machtfragen stehen im Raum.
Was folgt danach?
Der zweite Übergang fällt in die Karriere-Mitte (40er/50er). Nach dem Aufbau in den 20ern/30ern – geprägt von Ambition und Erwartungen – zweifeln viele: „Ist das mein Weg?“ Existenzielle Fragen destabilisieren Paare; Scheidungsraten steigen. Partner interpretieren Unzufriedenheit oft persönlich: „Bin ich schuld?“
Wie überstehen Paare das unbeschadet?
Die Unterstützung muss sich ändern: Von Komfortzone zu „sicherer Basis“. Der Partner gibt Raum zum Erkunden, ohne zu erdrücken. Erfolgreiche Paare erleben danach Beziehungs-Renaissance – wie frisch Verliebte. Es ist riskant, aber lohnend.
Der dritte Übergang?
Nach Ausfliegen der Kinder und Karrierehöhepunkt: Identitätsverlust trifft. Wer bin ich ohne Elternrolle oder Star-Status? Gleichzeitig Freiheit. Paare fragen: „Was bleibt von uns?“
Keine Pauschallösungen?
Richtig – kein „One-Size-Fits-All“. Doch ein Prozess hilft: Tiefe Gespräche über Werte („Was ist uns wichtig?“), Grenzen (z. B. keine Fernjobs) und Ängste. So entstehen logische Entscheidungen ohne Reue. Vergessen Sie Geld als Kriterium: Karrieren sind volatil; Werte zählen mehr.
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