In unserer modernen Gesellschaft öffnen Privilegien Türen zu Chancen, die anderen verschlossen bleiben. Laut Wikipedia sind Privilegien spezifische Vorteile, die auf Faktoren wie Alter, Bildung, Behinderung, Ethnie, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder soziale Klasse beruhen – eng verknüpft mit Ungleichheit.
Privilegien und Diskriminierungen überschneiden sich oft und schaffen unterschiedliche Zugangsebenen. Hier kommt Intersektionalität ins Spiel: Rassismus und Behinderung können sich z. B. überlagern, sodass eine Person of Color im Rollstuhl weniger Chancen hat als eine nicht-behinderte Person of Color oder eine weiße Rollstuhlfahrerin.
Als Gesellschaft sehen wir soziale Privilegien meist als unverdient an – etwas, mit dem man geboren wird, wie Rasse oder Alter. Doch ein weniger diskutiertes Privileg ist das Schönheitsprivileg (auch Pretty Privilege oder Lookismus genannt).
Es umfasst Merkmale wie Schlankheit, Fitness, cisgender Aussehen und symmetrische Gesichtszüge – oft verknüpft mit Weißheit und Hellhäutigkeit.
Als Mann, der gängige Schönheitsstandards erfüllt, und verheiratet mit Michelle, die diese ebenfalls verkörpert, dachte ich lange nicht darüber nach. Bis Michelle mir ein Beispiel zeigte: Bei FOX Sports sagte Joy Taylor: „Ich kaufe keinen Kaffee, ich trinke ihn nur hier“ – und deutete ins Studio. Michelle lachte: „Als ob eine Frau, die so aussieht, ihren Kaffee selbst zahlen würde. Hashtag Pretty Privilege!“
Ich lachte erst, doch dann wurde mir klar: Joy Taylor entspricht westlichen Schönheitsidealen. Welche Vorteile hat sie allein durch ihr Aussehen?
Schönheitsprivileg ist ein offenes Geheimnis: Wir wissen davon, sprechen aber selten darüber. Es widerspricht unserer Meritokratie-Idee, dass harte Arbeit belohnt wird. Einfach gesagt: Ihr Aussehen bestimmt, wie leicht das Leben wird.
Beobachten Sie es selbst: Verkäufer hasten der schlanken Schönheit entgegen, Kellner bedienen Models zuerst, Barkeeper priorisieren Attraktive. Harmlos? Bis man realisiert, dass für jeden Begünstigten jemand ignoriert wird – unsichtbar, weil er nicht ins Schema passt.
Für jeden Vorteil eines Models gibt es Benachteiligte, die übersehen werden.
Mit Attraktiven sprechend, höre ich Anekdoten: Bevorzugung seit dem 13. Lebensjahr, Jobangebote im Vorstellungsgespräch, nie im Bus stehen, Türen öffnen sich automatisch, Gratisessen, Extra-Zeit in der Schule. Schönheit macht das Leben einfacher – auch beim Jobbewerben.
Das verschärft sich durch Rassismus und Lookismus. Ein Bericht des Council on Contemporary Families zeigt: Überdurchschnittlich attraktive Frauen verdienen 8 % mehr als Durchschnittsfrauen, unterdurchschnittliche 4 % weniger; attraktive Männer 4 % mehr.
Elizabeth Holmes von Theranos verkörperte es: Groß, schlank, blond – sie täuschte Investoren trotz fehlendem Produkt. Was sahen sie in ihr, wenn nicht Schönheit?
Meine Freundin Tiffany (Name geändert) erzählte: „Ich wurde als Kind anders behandelt, bekam Einfluss und Dinge einfach so. Das Leben war leichter.“ Auf Fairness gefragt: „Das Leben ist unfair. Am Ende gleicht es sich aus.“ Doch als nicht-weiße Frau ohne Reichtum hat ihr Privileg Grenzen – Intersektionalität wirkt.
Der Begriff stammt von Kimberlé Crenshaw (1989): Verschiedene Privilegien und Unterdrückungen formen Identität. Schönheit plus Rasse oder Klasse verstärkt Vorteile.
In Popkultur: Attraktive Frauen sind groß, schlank, blond; Männer athletisch, breitschultrig, dunkelhaarig, blauäugig – meist weiß. Eine 2010er-Studie: Blonde haben höheres Einkommen. In den USA lernten Schwarze Kinder: Schön = weiß. Hautaufhellung boomt in Afrika und Asien (18-Milliarden-Industrie).
Körperideale: Männer umgekehrte Pyramide, Frauen Sanduhr (UK-Studie 2012). Doch real: US-Frauen Größe 16, Männer 1,75 m, 87 kg; Blonde nur 2 % der Weltbevölkerung. Ideale Schönheit ist für die meisten unerreichbar.
Trotz Vorteilen (Gratis-Haarschnitt) gibt es Nachteile: Attraktive werden nicht ernst genommen. Diana (VP Marketing): „Man denkt, ich hab’s durch Aussehen geschafft, nicht durch Arbeit. In Meetings hielten sie mich für die Protokollführerin – ‚Dein LinkedIn-Foto muss gefaked sein.‘“ Das ist Diskriminierung: Verdienste werden geleugnet, oft sexuell zugeschrieben.
Ich reflektiere selbst: Ich habe Attraktive bevorzugt, ohne es zu merken. Als 1,85 m, schlank-mus kulöser Schwarzer frage ich: Bekomme ich Rabatte durch Aussehen? Wir wollen Erfolge als Verdienst sehen.
In einer ungleichen Welt ist Schönheitsprivileg bekämpfbar: Achten Sie auf Bias, hinterfragen Sie Reaktionen, meiden Sie unrealistische Ideale. Schönheit ist überall – Zeit, das zu erkennen.
LeRon L. Barton ist Autor und Speaker zu Rasse, Inhaftierung, Politik und mehr. Publikationen in Black Enterprise, Salon u. a. TEDx-Sprecher. Folgen Sie ihm auf Twitter.