Als meine Universität per E-Mail mitteilte, dass wir wegen der Coronavirus-Pandemie erst zwei Wochen nach den Frühlingsferien auf den Campus zurückkehren würden, dachte ich an verlängerte Ferien. Kein Student beklagt sich über extra Urlaubszeit.
Meine Freunde und ich freuten uns auf unser 'Spring Break Teil 2' – Strand, Partys, pure Vorfreude.
Schnell wurde daraus Fernunterricht für unbestimmte Zeit. Damals wurde klar: COVID-19 war ernst zu nehmen.
Mein ehemaliger Mitbewohner und ich lachen heute noch darüber, dass wir uns nie hätten vorstellen können, im ersten Studienjahr unter Quarantäne zu stehen.
COVID-19 hat mein gesamtes Frühlingsemester umgekrempelt. Diese Pandemie hat neue Normalitäten geschaffen.
Wie der Rest der Welt waren wir Studenten unvorbereitet auf diese drastischen Veränderungen. Viele Freunde zogen nach Hause, verloren Jobs, sagten Reisen ab oder trauerten um geliebte Menschen.
Ich hatte so viele Pläne für das Semester – die Pandemie hat mir den vollen Campusgenuss geraubt, wie Millionen anderen.
Die Auswirkungen auf Erwachsene und Wirtschaft dominieren die Berichte, doch was ist mit uns Studenten? Als junge Erwachsene am Einstieg ins Leben spüren wir den Wandel besonders intensiv. COVID-19 hat unser Leben am stärksten verändert.
Viele Studenten sehen den Campus als Zuhause – dort lebten, lernten, arbeiteten, engagierten wir uns ehrenamtlich, gingen zum Arzt, pflegten Freundschaften und trainierten wir.
Mein Leben war eng mit dem Campus verknüpft.
Der Zwang, Wohnheime zu räumen und online zu studieren, fühlte sich an wie das Verlassen des eigenen Lebens. Wer einmal in der College-Kultur angekommen ist, macht sie zu seinem Universum.
Dennoch verstehe ich die Unis: Sie priorisierten Gesundheit und Sicherheit. Harte Entscheidungen waren nötig. Ich bin dankbar für Pass/Fail-Optionen, Rückerstattungen für Unterkünfte und Hilfen für Bedürftige.
Trotzdem ist das neue Studentenleben schwer zu schlucken. Hier die 10 Probleme, die niemand erwähnt:
1. Abschlüsse sind (fast) abgesagt.
Absolventen der Klasse 2020 können nicht über die Bühne gehen – kein Moment, in dem vier Jahre harter Arbeit vor Familie und Freunden gefeiert werden. Viele haben virtuelle Zeremonien, manche gar keine.
Die 'I’m Still Graduating'-Bewegung mit Promis und Firmen ehrt sie dennoch würdig.
2. Die Klasse 2020 trifft auf einen kollabierenden Jobmarkt.
Jobstart in normalen Zeiten ist stressig – in einer Pandemie ein Albtraum. Viele Firmen stellen nicht ein. Ohne Connections oder Essential-Jobs dauert es. Rechnungen und Studentendarlehen laufen weiter, Zinsen inklusive.
3. Erstsemester verpassen die echte College-Erfahrung.
Ich kenne beide Welten: Zwei normale Semester und eines in der Pandemie. Zoom von zu Hause in Pyjama ersetzt keinen Campus, keine Clubs, keine Events.
4. Persönlicher Unterricht fehlt – Lernerfolg leidet.
Freunde bestätigen: Online ist nicht gleich Präsenz. Selbst tolle Profs und leichte Kurse wirken anders. Viele erledigen Aufgaben nur pro forma. In echtem Klassenraum lernen wir mehr, ohne Technikprobleme.
5. Campus-Ressourcen sind unerreichbar.
WLAN, Drucker, Food Pantries, Lernräume – weg. Virtuelle Hilfen wie Tutoring existieren, werden aber selten genutzt.
6. Finanzielle Ungleichheiten behindern den Erfolg.
Nicht jeder hat stabiles WLAN, Lernplatz oder gebildete Eltern. Armutsbetroffene Studenten leiden stärker; Unis können nicht mehr ausgleichen.
7. Schlaf- und Tagesroutinen sind im Chaos.
Heimkehr – sei es nah oder international – stört Zeitrhythmen und Gewohnheiten massiv.
8. Praktika fallen aus.
Praktika bauen Erfahrung auf und testen Karrierewünsche. Verlust oder Remote-Umwandlung entmutigt.
9. Die meisten Studenten bekommen keinen Stimulus-Check.
Trotz niedrigem Einkommen: Zu alt für Abhängige, zu jung für Unabhängige. Positiv: Änderungen möglich.
10. Die Zukunft ist ungewiss.
Unsicherheit quält am meisten: Wann zurück zum Campus?
Tamara Sanon ist Autorin mit Fokus auf Astrologie, Spiritualität, Liebe und Beziehungen. Als betroffene Studentin teilt sie authentische Einblicke.