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Lohndiebstahl, Mobbing und unsichere Arbeitsbedingungen: Warum so viele Australier ihre Ausbildung abbrechen

Vier Monate vor dem Abschluss seiner Qualifikation als Dieselmechaniker wurde Josh (Name geändert) aus seiner Ausbildung entlassen.

Er gehört zu den 44,3 Prozent der Australier, die ihre Ausbildung jährlich nicht abschließen.

Die Entlassung von Auszubildenden kurz vor dem Ende und die Einstellung günstigerer Nachfolger, um Lohnkosten zu senken, ist nur eines der häufigen Probleme, mit denen sich das Young Workers Center auseinandersetzt, erklärt Direktorin Felicity Sowerbutts.

Tatsächlich machten 2022 bei 77 % ihrer Klienten mit Arbeitsplatzproblemen Auszubildende aus.

Josh erlebte Lohndiebstahl und war Zeuge von Mobbing gegen andere Auszubildende – weitere gängige Issues beim Young Workers Center, neben unsicheren Arbeitsplätzen, Belästigung, niedrigen Löhnen und verwehrter Freistellung für TAFE-Kurse.

Das machte den Arbeitsalltag für Josh zur Qual, der Stress belastete auch sein Privatleben.

„Ich war wütend“, sagt Josh, Ende 20. „Nach Feierabend kam ich nach Hause und hatte nur noch schlechte Laune.“

Er teilt seine Geschichte, um Betroffenen zu zeigen: Sie sind nicht allein – und Hilfe ist greifbar.

Ein Drittel der Auszubildenden bricht im ersten Jahr ab

Die meisten Abbrecher nennen Arbeitsplatzprobleme als Hauptgrund.

Statistiken zeigen: 20- bis 24-Jährige, Auszubildende mit Behinderung, indigene Australier und Stadtbewohner schließen seltener ab.

Frau Sowerbutts berichtet von einem Anstieg: 2021 waren 49 % der Klienten Auszubildende, 2022 schon 77 %.

„Sie kommen aus allen Branchen – vom Friseursalon über Gastgewerbe und Bauwesen. Ausbeutung kennt keine Grenzen“, sagt sie.

Neben den genannten Problemen bilden Arbeitgeber Auszubildende absichtlich langsam aus, um Löhne niedrig zu halten.

„Ein Schreinerlehrling brauchte sechs Jahre für drei Lehrjahre“, erläutert Frau Sowerbutts.

Auszubildende verdienen ohnehin wenig, viele nicht mal Mindestlohn.

Josh bekam monatelang keine Rente – erst nach hartnäckigem Nachhaken floss Geld in unregelmäßigen Raten.

„Es hat nie den vollen Betrag ergeben“, erinnert er sich.

Trotz 18 Monaten Vorerfahrung zahlten sie ihn als Erstjahreslehrling.

„Von Tag eins mit Anfangslohn“, sagt Josh.

Frau Sowerbutts kritisiert die landesweite Abschlussquote als "empörend". Bei Schulen gäbe es Aufruhr. Schlimmer: Wiederholungstäter bleiben ungestraft.

„Fehlende Kontrollen für Arbeitgeber. In Victoria (2020/21) wurde keiner sanktioniert.“

Ein Machtungleichgewicht

Alan Montague, Ex-Dozent und RMIT-Programmdirektor für Personalmanagement, kennt entsetzliche Fälle.

„Junge Auszubildende sind unreif, trauen sich selten, sich zu wehren.“

Frau Sowerbutts: „Oft die Jüngsten am Arbeitsplatz, direkt aus der Schule. Sie vertrauen Arbeitgebern wie Lehrern – melden Missstände spät.“

Manche dürfen nicht mal zu TAFE. Ein Teufelskreis: Misshandelte Arbeitgeber zahlen es weiter.

„Ein Lehrling musste Drogen nehmen, erlitt Schläge und Beleidigungen.“

Wo Sie Hilfe finden

Josh hat sich durchgesetzt – einige Probleme wurden behoben.

„Nervenaufreibend, aber mit einem Kollegen als Sparringspartner klappte's.“

Mit Young Workers Center-Unterstützung regelte er den Rest und arbeitet nun zufrieden in einem Fly-In-Fly-Out-Job.

Frau Sowerbutts rät: Sprechen Sie mit Familie, Freunden, Kollegen. „Systemische Probleme brauchen kollektive Lösung.“

Fair Work Australia und Gewerkschaften helfen. Josh: „Lassen Sie sie nicht davonkommen.“