Wenn Sie noch nichts von PUBG gehört haben, leben Sie wohl unter einem Stein. Dieses Multiplayer-Ego-Shooter-Spiel ist ein Dauerbrenner in der Gaming-Szene. Während Videospiele oft einen schlechten Ruf haben – teils zurecht –, hat das Phänomen des Rage-Quittings nun Einzug in Büros gehalten, insbesondere unter Millennials. Rage-Quitting beschreibt in der Gaming-Welt, wenn Spieler vor Frust mitten im Match aufgeben: Sie werfen den Controller weg, schlagen um sich oder fluchen lautstark. Am Arbeitsplatz bedeutet das: Aus purer Wut ohne Vorwarnung kündigen.
STILVOLL AUSSCHEIDEN?
Es hat sogar virale Videos hervorgebracht. Der ehemalige Flugbegleiter Steven Slater fluchte über das Bordlautsprecher an einen unhöflichen Passagier, schnappte sich zwei Bier, aktivierte die Notrutsche und rutschte ab. Die 25-jährige Amerikanerin Marina Shifrin tanzte um 4:30 Uhr im Büro zu Kanye Wests „Gone“ und nannte es „An Interpretive Dance For My Boss“. Wer je mit einem arroganten Chef, toxischen Kollegen oder seelenzerstörender Arbeit zu kämpfen hatte, kennt diesen Traum vom dramatischen Ausstieg.
Eine Gallup-Umfrage von 2019 zeigt: Bis zu 71 Prozent der Millennials kündigen häufiger. Sonica Aron, HR- und Diversity-Expertin, sieht darin den Ausdruck moderner Arbeitsplatzrealitäten: „Das kann auf erhöhten Stress und Burnout, ungebremstes Mobbing, Konflikte in multigenerationellen Teams oder die Unfähigkeit von Vorgesetzten zurückgehen, konstruktiv mit Mitarbeiterbedürfnissen umzugehen.“ Sie verallgemeinert es nicht als reinen Millennial-Trend: „Ich habe selbst Führungskräfte der Generation X gesehen, die die Büro-Politik satthatten und aufgaben.“
DEM GEGENSTEUERN
Aktuelle Umfragen belegen: Arbeitnehmer priorisieren stark Unternehmenskultur, Work-Life-Balance und Remote-Optionen. Laut SHRM-Studie in Indien machen Millennials bis 2020 rund 50 Prozent der Belegschaft aus. Deshalb setzen Firmen auf flexible Zeiten, flache Hierarchien und Technologie.
Aron ergänzt: „Heutige Belegschaften sind selbstbewusster und äußern sich offen. In einem Gastgewerbe-Projekt stritten Mitarbeiter, warum sie unvernünftige Gäste-Anforderungen erfüllen sollen. Gründe: Höheres Bewusstsein, bessere Chancen und gesteigertes Selbstwertgefühl.“ Um Rage-Quitting zu verhindern, müssen Unternehmen erkennen: Menschen verlassen Manager, nicht Firmen.
Doch Aron rät zur Besonnenheit: „Ihre Karriere ist ein 40-jähriger Marathon mit Höhen und Tiefen. Lerne, Tiefs zu meistern, wie Höhepunkte zu feiern.“ Ein Rage-Quit funktioniert nicht im echten Leben. Bei persönlichen Konflikten: HR einbeziehen. Bei Kulturschwächen: Elegant wechseln.
Kürzlich durchgeführte Arbeitsplatzumfragen zeigen, dass Arbeitnehmer eine gute Unternehmenskultur, Work-Life-Balance und Remote-Work-Optionen priorisieren.
Rage-Quitting kann auf Burnout, Mobbing, Generationenkonflikte oder mangelndes Vorgesetzten-Feedback hindeuten.
—Sonica Aron, HR- und Diversity-Expertin
WIE SIE RICHTIG KÜNDIGEN
Räumen Sie Ihren Schreibtisch vorab auf
Nach einem Streit mit dem Chef droht oft sofortiger Rauswurf. Seien Sie vorbereitet.
Schreiben Sie es schwarz auf weiß
Dramatische Reden wirken selten heldenhaft. Ein höfliches Kündigungsschreiben mit Austrittsgründen ist professioneller.
Immer fristgerecht kündigen
Nichts rechtfertigt einen Überraschungs-Austritt. Die Frist sichert Referenzen, Bonus oder Urlaubsabgeltung.
Das Internet vergisst nichts
Ihr Video-Ausbruch mag viral gehen – zukünftige Arbeitgeber lachen nicht. Denken Sie nach!
Quelle: inc.com