Patt Gregory machte 1986 ihre ersten Erfahrungen mit der Holzbearbeitung – zusammen mit anderen Frauen in einem Wohnzimmer in Bristol. Seitdem hat sie diese Leidenschaft nie mehr losgelassen.
„In Großbritannien arbeitete ich als Privatdetektivin und suchte nach einem Kick im Leben, nach etwas Aufregendem“, erzählt Patt.
„Aber das hat mich nicht wirklich erfüllt.“
„Dann sah ich eine Anzeige in der Bristol Evening Post: ‚Holzarbeiten für Frauen‘.“

Die heute 70-jährige Patt, aufgewachsen mit zwei Brüdern auf einer Farm, hatte selten Chancen, die spannenden Abenteuer der Männer mitzuerleben.
„Ich dachte: ‚Das wäre toll, das möchte ich ausprobieren!‘“, erinnert sich Patt.
„Es fand im Wohnzimmer einer Dame im Obergeschoss ihrer kleinen Wohnung statt.“
Sie beschreibt den betörenden Duft des Holzes und die ruhige Atmosphäre unter den Frauen.
„Ich verliebte mich sofort und wollte Tischlerin werden.“
„Zu Hause erzählte ich es meinen Mitbewohnern – und sie brachen in schallendes Gelächter aus.“

Ein harter Einstieg
Die Ausbildung war regierungsfinanziert – ein dreijähriges Programm in einem intensiven Workshop-Format.
„Ich war mit sechs oder sieben jungen Männern in der Werkstatt, ich 30 Jahre alt, sie Anfang 20“, berichtet Patt.
„Ich kämpfte mit den Werkzeugen, dem Messen und Markieren, während die Jungs es nach drei Wochen beherrschten.
„Bei der Morgenpause musste ich manchmal weinen, weil ich nicht wusste, was schiefging.“
Trotzdem hielt sie durch und lernte alles: von Treppenverkleidungen und Dächern bis zur Herstellung und Montage von Türen.
Erste Erfolge
Kurz nach dem Abschluss unterrichtete sie in einem regierungsfinanzierten Workshop andere Frauen, um sie für den Beruf zu begeistern.
„Das wurde zu meiner Leidenschaft. Ich kehrte nach Australien zurück, gründete ein Unternehmen – und das war’s“, sagt Patt.

In 26 Jahren hat sie in ihrem Zuhause in Mullumbimby (Northern Rivers, NSW) Tausenden Frauen die Grundlagen der Holzbearbeitung und des Umgangs mit Elektrowerkzeugen vermittelt.
„Sie kommen wegen ihrer Liebe zum Holz. Das verbindet sie alle. Sie wollen bauen, verstehen, wie Teile zusammenpassen, und Holz richtig kaufen.“

„Sie sind es leid, ihren Partner um Hilfe beim Kaffeetisch oder Kleinkram zu bitten.“
Menschen wollen aus dem Kopf heraus und mit den Händen arbeiten, sagt sie.
Ihr Training vermittelt genau die Nuancen, die ihr selbst gefehlt haben.
„Wenn man es in kleine Schritte zerlegt, fühlt man sich sicher – nicht überfordert.“

Schülerin TJ Rowan schätzt diesen Ansatz.
„Patt unterrichtet ermutigend, ohne Vorkenntnisse vorauszusetzen. Sie erklärt Basics wie Haltung und Griff beim Bohren.“
TJ half als Kind ihrem Vater bei Hausrenovierungen und brachte Erfahrung mit.
„Trotzdem gab es Wissenslücken.“

„Sie nimmt dir nie das Werkzeug weg – du bleibst ermächtigt. Sie ist eine echte Cheerleaderin.“
TJ’s Weg
TJ besuchte Patts Kurs vor sechs Jahren nach ihrem Umzug von Sydney nach Byron Bay.
„Später arbeitete ich als Malerin, doch die Holzbearbeitung zog mich wieder an. Und von einer Frau lernen? Perfekt.“
Nach mehreren Workshops baut TJ nun mit Patts Unterstützung ihre eigene Holzarbeitsschule auf.
Mehr Chancen für Frauen im Handwerk
Patt hat die Entwicklung seit den 80ern miterlebt, besonders die Rolle der Frauen.
„In den 60ern und 70ern waren Frauen auf Heimwerker-Magazinen, oft mit Pinsel, aber essenziell im Haushalt. Im Krieg waren sie produktiv – danach wurde es vertuscht.“

Heute ändert sich das.
„Es gibt gleiche Chancen im Handwerk. Frauen müssen sie ergreifen: Holzarbeiten lernen, Häuser bauen, Scheunen errichten.“
TJ spürt den Bedarf: „Viele Frauen wollen es, halten sich aber wegen Angst oder Geschlechterrollen fern. Aber es ist für alle da.“