Eltern mit zwei kleinen Kindern und ohne nahe Familie zu haben, ist eine Herausforderung. Dazu ein extrem langes Pendeln – das Rezept für Stress. Genau damit kämpfte Facebook-Ingenieurin Erin Summers vor einigen Jahren. Sie entschied sich für Veränderung und beantragte 2018 – zu einer Zeit, als Fernarbeit die Ausnahme war – die Vollzeit-Remote-Arbeit.
"Mein Mann und ich stammen beide aus North Carolina, wo unsere Eltern und Geschwister leben. Wir verbrauchten unseren gesamten Urlaub für Reisen dorthin", erklärt sie. "Die Bay Area war unbezahlbar teuer, und ich pendelte täglich drei Stunden, um in einer bezahlbaren Region zu wohnen. Ich wollte bei Facebook bleiben, aber das Leben in Kalifornien war nicht nachhaltig."
Nachdem sie einem neuen Virtual-Reality-Team beigetreten war, sprach Summers mit ihren Vorgesetzten offen über ihren Wunsch. "Ich war ehrlich zu meiner Absicht, innerhalb eines Jahres umzuziehen, und sie waren offen dafür, nach sechs Monaten im Team zu diskutieren", sagt sie. "Ich habe intensiv gearbeitet und mit meinem Direktor einen Vorschlag für die Personalabteilung erstellt."
2018 zog Summers mit ihrer Familie nach North Carolina. Im Mai 2020 wurde ihre Situation bei Facebook Standard: Das Unternehmen führte ein Vollzeit-Fernarbeitsprogramm ein, für das sich geeignete Mitarbeiter bewerben konnten.
Hier teilt die erfahrene Ingenieurin, wie man Grenzen setzt, für sich eintritt und wie Fernarbeit zu einem Kernbestandteil der Facebook-Kultur wird.
Erzählen Sie von Ihrer Karriere und Ihrem Einstieg bei Facebook.
In der High School faszinierten mich KI und Robotik. Für ein Projekt baute ich nach einem Buch einen Roboter – Anfang der 2000er, ohne fertige Bausätze. Ich orderte Servos per Katalog und nutzte Teile aus Kinderspielzeug. Es war magisch, wie aus Einzelteilen ein bewegliches Wesen entstand – meine Version von 'bergauf durch den Schnee'.
Ich studierte Elektro- und Computertechnik an der NC State, promovierte an der UC Berkeley in Steuerungssystemen und arbeitete an Stabilitätstheoremen für Flugzeuge sowie bei der NASA. Doch ich wollte dynamischere Tech. Ich lernte Android-Programmierung selbst, begeisterte mich für Mobile Development, absolvierte ein Insight Data Science Fellowship und trat direkt nach dem PhD bei Facebook ein.
Im Januar 2020 stießen Sie zu einem neuen Team. Wie reagierten sie auf Ihre Fernarbeit?
Ich wechselte zu Civic Integrity und war nervös, da die meisten im Büro saßen. Doch sie unterstützten mich. Dann kam COVID-19: Facebook stellte über Nacht auf Homeoffice um, eröffnete Remote-Rollen und bietet nun ein permanentes Programm – ich bin dabei. Jeder lernte, remote zu wirken und Impact zu erzeugen. Es fühlt sich wie die neue Normalität an.
Wofür sind Sie in Ihrer Rolle zuständig?
Als technischer Leiter für Integrität reduziere ich Schäden auf Facebook und Instagram in Bereichen wie Staatsbürgerkunde, Gesundheit, Rassengerechtigkeit und Klimawandel. Viele Lösungen ähneln sich. Ich nutze Gemeinsamkeiten, um gesellschaftliche Probleme schneller anzugehen. Zusammen mit Produktmanagern, Ingenieuren, Designern, Forschern, Data Scientists und Policy-Teams identifiziere ich Prioritäten, messe Schäden und minimiere sie.
Was waren die Schlüssel zu Ihrem Erfolg bei Facebook?
Ich lernte, für mich und andere einzustehen. Am Anfang war ich naiv, doch ich nutze nun meine Stärken. Ich baue Teams mit gesunder Kultur auf, wo Verletzlichkeit und ehrliches Feedback Raum haben. Ich will die Führung sein, die ich mir gewünscht hätte.
Was schätzen Sie an der Facebook-Kultur?
Facebook ist wie ein gerichteter azyklischer Graph: Entscheidungen fließen, und Sie können sie prägen. Wenig Vorschriften, viel Raum für Impact. Ich blühe auf, wenn ich Chaos ordne – die Kultur ermächtigt mich, Lösungen selbst zu gestalten.
Wie wirkt sich Fernarbeit auf Ihr Berufs- und Familienleben aus?
Privat spare ich täglich drei Pendelstunden, habe Flexibilität für Sport, Freunde und Wochenendtrips mit Großeltern. Beruflich ist asynchrone Kommunikation weniger stressig: Ich denke strategischer, bin autonomer und nutze die Ruhe ohne Office-Lärm.
Wie setzen Sie Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben?
Täglich um 17:30 Uhr erinnert mich eine Kalenderbenachrichtigung: Arbeit beenden. Homeoffice heißt nicht 24/7-Verfügbarkeit. Ich habe einen abgetrennten Arbeitsplatz in der Garage – ein Ritual wie Bürotür schließen. Ohne separaten Raum: Nutzen Sie den Esstisch, vermeiden Sie Bett-Programmieren wegen Haltungsschäden.
Tipps, um remote um Hilfe zu bitten?
Remote fühlt sich 'belästigend' an, doch es ist Ihre Pflicht, Blockaden zu klären. Seien Sie proaktiv: Ping unbekannte Kollegen, fragen Sie im Team-Chat. Richten Sie einen Forum- oder Chat-Bereich ein – schafft offene Kultur.
Rat für Eltern im Homeoffice mit Kindern?
Es ist hart. Mehr Bildschirmzeit hilft, trotz Schuldgefühlen – geben Sie Ihr Bestes. Kommunizieren Sie Erwartungen: Warnen Sie vor Cameo-Auftritten der Kids. Sprechen Sie mit ihnen altersgerecht über Arbeit. Und: Bleiben Sie locker. Niemand erwartet Perfektion.