Letzten Sommer lief der Mietvertrag für ihr Haus in Santa Clara, Kalifornien, aus. Diane Giulioni und ihr Mann entschieden sich für einen Umzug quer durch die USA. Sie arbeiteten seit der Pandemie im Homeoffice, und ihr Mietshaus in Fishers, Indiana, stand leer.
Giulioni ist globaler Business Partner für Talentakquise in der Engineering-Organisation des Softwareunternehmens Atlassian. Zunächst planten sie, nur vorübergehend in Indiana zu bleiben. „Wir wollten aufs Land, weg von überfüllten Städten, und uns ein paar Monate verstecken“, erklärt sie. „Doch es hat uns so gut gefallen, dass wir blieben.“
Als Atlassian im August TEAM Anywhere einführte – ein Programm, das dauerhaftes Arbeiten von (fast) überall erlaubt –, war Giulioni begeistert. „Es hat uns die schwere Entscheidung abgenommen: Entweder zurück nach Kalifornien zu Jobs, die wir lieben, oder kündigen und in Indiana bleiben. Das machte es einfach.“
TEAM Anywhere gibt Mitarbeitern Freiheit und Flexibilität, solange sie Kriterien erfüllen. Neben höherer Bindung hoffen Atlassians Führungskräfte auf erweiterte Rekrutierungsmöglichkeiten. Hier ein Einblick, wie es funktioniert und die Zukunft der Arbeit neu definiert.
Mit verteilter Arbeit voll durchstarten
Atlassians Gründer setzen seit Langem auf Telearbeit. Die Pandemie war der Anstoß, Richtlinien zu überprüfen. „Wir mussten analysieren, wie wir aktuell arbeiten, um hochgradig verteilt zu skalieren“, sagt Nicki Bellington, Leiterin Talent- und Organisationsentwicklung.
Ein internes Expertenteam entwickelte Konzepte für verteilte Teams. Während der Umsetzung hielten Blog-Posts und E-Mails alle auf dem Laufenden. Mitarbeiterfeedback floss direkt ein und prägte TEAM Anywhere.
Wo Mitarbeiter arbeiten dürfen
Zuerst klärten Experten wie Ashlee Aurandt, Programmmanagerin bei TEAM Anywhere, die Standorte. Arbeitsrecht, Steuern, Einwanderung und Genehmigungen spielten eine Rolle. „Wir können keine Länder ohne juristische Präsenz unterstützen – keine Infrastruktur für Lohn, Leistungen oder Sozialabgaben“, erklärt Aurandt. „Priorität: Unsere bestehenden Präsenzen freisetzen.“
Derzeit sind etwa ein Dutzend Länder möglich, kürzlich kam Neuseeland hinzu. Wichtig: Das „Recht auf Arbeit“ im jeweiligen Staat oder Land.
Verteilte Teams verbinden
Schlüssel zum Erfolg: Ein kollaboratives Umfeld. Mitarbeiter wählen Orte mit mindestens vier Stunden Zeitzonen-Overlap zum Kernteam und erledigen Aufgaben inklusive Meetings remote. Bei einem San-Francisco-Team passt Neuseeland nicht für Einzelpersonen.
Atlassian setzt auf Slack und eigene Tools wie Jira (Projekttracking) und Confluence (Team-Workspace). „Wir messen Ergebnisse, nicht Stunden“, betont Aurandt. „Nicht der grüne Slack-Punkt zählt, sondern produzierte Arbeit und Kollaboration.“
Asynchrone Kommunikation wird getestet: Führungskräfte senden Videos über Zeitzonen hinweg. Bald: Vierteljährliche Team-Treffen vor Ort, um Vertrauen und Moral zu stärken.
Vergütung standortgerecht anpassen
Atlassian zahlt marktbasiert – Umzüge können das Gehalt ändern. Ein Self-Service-Rechner zeigt Anpassungen transparent. „Mitarbeiter treffen fundierte Entscheidungen für sich und Familien“, sagt Aurandt.
Zustimmung startet den Umzugsprozess mit Genehmigungen (Visa, Budget). Manche laufen in Stunden durch. Im ersten Monat: Über 1.600 Nutzer, 3.600 Anfragen. Gründe: Niedrigere Kosten, Nähe zur Familie. Daten zeigen attraktive Märkte für Expansion.
Rekrutierung und Bindung boosten
Giulioni, nun dauerhaft in günstigerem, weniger überfülltem Indiana: „Befreiend! Flexibilität für die Zukunft, ohne Standortzwang bei geliebtem Arbeitgeber. Viele bleiben wegen besserer Lebensqualität.“
TEAM Anywhere erleichtert Top-Talente weltweit. „Keine Zwänge zu Umzügen oder Familienaufbruch“, sagt Aurandt. „Wir lösen uns vom physischen Büro-Fußabdruck.“